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Keine Zukunft für den Außenspiegel?

Veröffentlicht am 22.11.2018

Seit der Erfindung des Außenspiegels hat dieser Autobestandteil kaum Veränderungen erfahren. Umso schwieriger dürfte es sein, komplett auf den Außenspiegel zu verzichten. Genau das wird jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zukunft für die Fahrzeuggestaltung sein. Kameras und Bildschirme übernehmen stattdessen die Aufgabe – eine Technik, die bereits in vielen aktuell erhältlich Fahrzeugen enthalten ist.

Grund genug, sich einmal genauer mit den Vor- und Nachteilen des Außenspiegels zu befassen und sein „Können“ mit den elektrischen Systemen zu vergleichen. Denn sind wir mal ehrlich: Ein Auto ohne Außenspiegel ist trotz aller technischen Verbesserungen sehr gewöhnungsbedürftig, optisch ebenso wie im Fahralltag.

Der Ausreißer im dynamischen Fahrzeugverlauf – Rückspiegel und Kamera im Vergleich

Abbiegen, Spurwechsel, Einparken – den Blick in den Außenspiegel erfolgt ganz automatisch, zumindest bei routinierten Autofahrern. Eine sehr einfache, praktische Lösung, um den Straßenverkehr hinter dem Auto im Blick zu behalten. Der Rückspiegel hat aber auch eine Menge Nachteile:

  • Der tote Winkel: Selbst der Blick in beide Spiegel – innen und außen – kann ihn nicht verhindern. Deshalb erfordern viele Fahrsituationen den zusätzlichen Schulterblick.
  • Rückspiegel stellt nicht exakt die Realität dar – Objekte wirken oft weiter entfernt
  • Steht im Wind und verschlechtert damit die Fahrzeugaerodynamik – erhöhte Spritkosten
  • Positionierung und Größe der Spiegel bietet „beste Voraussetzungen“ zum Abbrechen oder zum Zerkratzen, vor allem, wenn es eng wird

 

Fahrzeugdynamik im Fokus

Der Verband der Automobilhersteller hat 2014 bei seinem Antrag zur Abschaffung des Außenspiegels bei der Verkehrssicherheitsbehörde der USA vor allem den Aspekt der Aerodynamik in den Mittelpunkt gestellt. Nach deren Berechnungen würde ein Fahrzeug etwa 0,1 bis 0,3 Liter Sprit sparen auf 100 Kilometern, wenn es statt Außenspiegel weniger Widerstand bietet und die Rücksicht durch Kameras ermöglichen würde.

Neben diesem Argument können Kamera und Bildschirm übrigens auch bei den anderen oben aufgelisteten Nachteilen des Außenspiegels gegensteuern:

  • moderne Kamerasysteme bieten einen vollständigen Rundumblick – toter Winkel wird verringert oder verschwindet komplett
  • hochwertige Bildauflösung
  • mehr Freiheiten für die Fahrzeugdesigner: Verbesserung der Aerodynamik im Bereich der (ehemaligen) Außenspiegel und im Bereich der Heckscheibe, da sie ebenfalls nicht mehr für den Blick nach hinten benötigt wird.
  • CO2-Ausstoß kann um 1 bis 1,5 Gramm pro Kilometer verringert werden

Zudem verringern sich bei fehlendem Rückspiegel die Windgeräusche und die Sicht nach hinten bleibt auch bei verschmutzten Scheiben erhalten, was die Sicherheit beim Fahren erhöht. Allerdings muss man bei der freien Sicht bedenken, dass die Außenkamera auch allen äußeren Wettereinflüssen ausgesetzt ist. Alles, was sich auf der Linse befindet, wirkt sich also auch auf die Bildqualität aus.

Ein weiterer Vorteil des Kamerasystems gegenüber dem Außenspiegel besteht wiederum darin, den Fahrer bei einem potenziellen Zusammenstoß warnen zu können.

Gewöhnungsbedürftige Blickrichtung bei fehlendem Außenspiegel

Wir haben den Blick in den Außenspiegel so verinnerlicht, dass eine Umstellung zunächst etwas befremdlich sein könnte. Zu Beginn wird der Kopf sicher intuitiv nach links gehen vor dem Überholen, eben wie ein Reflex. Das wird sich mit der Zeit jedoch schnell ändern, vor allem, wenn man die Vorteile gegenüber der Sicht über den Außenspiegel erkennt und in den Genuss weiterer komfortabler Kamera-Funktionen kommt.

Befremdlich ist zu Beginn sicherlich auch der Anblick des Fahrzeugs ohne Außenspiegel. Denn obwohl das Fahrzeugteil eigentlich den harmonischen Karosserieverlauf unterbricht, wird es nicht als Unterbrechung empfunden. Eben weil die Rückspiegel dazugehören zum Gesamtpaket Auto.

Kamera schon lange im Auto etabliert

Rückfahrkameras sind schon seit vielen Jahren Standard. Sie bieten nicht nur mehr Komfort beim Einparken, sondern auch mehr Sicherheit. Doch auch die Ausstattung mit zusätzlichen Kameras an den Seitenspiegeln ist nicht neu und bei vielen in den letzten Jahren erschienenen Fahrzeugen inklusive.

Bei BMW ist all das in ConnectedDrive enthalten. Der Parkassistent von ConnectedDrive bietet z.B.:

  • Rückfahrkamera mit Weitwinkelobjektiv – Bilder sind auf dem Control Display sichtbar
  • Interaktive Spurenlinien – Möglichkeit zum Einparken testen
  • Unterstützung bei Gangwahl, Lenkung, Bremsen und Beschleunigen

 

Mit Surround View gibt’s außerdem einen 270-Grad-Panoramablick. Dies wird einerseits über Kameras an den Außenspiegeln, andererseits über die Rückfahrkamera sowie Kameras an der Fahrzeugfront realisiert.

Bisher hat sich die Kamera-Technik allerdings fast immer auf die Seitenspiegel-Ergänzung beschränkt. Bis sie als Ersatz für den Außenspiegel einspringt und ihn damit überflüssig macht, dürfte jedoch nicht mehr viel Zeit vergehen. Wie das aussehen kann, präsentierte BMW übrigens schon 2016 auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas beim BMW i8.

Laut BMW werden die ersten spiegellosen Serienfahrzeuge ab 2019 erhältlich sein, evtl. mit der Modellpflege für den BMW 7er.


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